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Persoenliche Stellungnahme zur Forderung nach einer Distanzierung der Muslime vom Terror

Goettingen, 17.04.2004

Lieber Bashir,

es ist mir bekannt, dass gegenwaertig in der BRD von den Muslimen erwartet wird, dass sie sich staendig von dem Terror distanzieren und so quasi exkulpieren. Zuletzt habe ich, zu meiner unangenehmen Ueberraschung, einen so intonierten Text in "Die Zeit" vom 1. April gelesen, wenn ich mich recht erinnere war der Autor Joerg Lau. Nun meinen die Muslime offenkundig, diesen Erwartungen entsprechen zu muessen. Mir gefaellt dies ueberhaupt nicht, und zwar aus folgenden Gruenden:

1) In liberalen Ordnungen gilt juristisch, aber auch politisch-kulturell, die Unschuldsvermutung: In dubio pro reo. In der Sphaere des Rechts muss ein Gericht diese Unschuldsvermutung mit seiner Entscheidung aufheben, wonach es einen "begruendeten Verdacht" oder aehnliches gegen eine Person gibt, so dass eine Untersuchung, Prozess usw. eingeleitet werden koennen. Ausserhalb dieser Sphaere gilt die Unschuldsvermutung immer. Mit anderen Worten, ich muss jedem Menschen begegnen als ob er ein ehrlicher, aufrichtiger usw. Mensch waere, bis ich mich vom Gegenteil klar ueberzeuge. Und auch wenn ich es tue, gilt fuer diese Person weiterhin die Unschuldsvermutung seitens aller anderen, bis sie individuell mit ihr schlechte Erfahrungen machen. Auch die Erfahrung zeigt, dass es nicht sonderlich klug ist, sich auf Klatsch und Verleumdungen bezueglich Dritter seitens der Bekannten und angeblicher Freunde zu verlassen.

2) Die Veroeffentlichung von Distanzierungen vom muslimischen Terror erinnert mich an - mehr oder weniger vorauseilende - Unterwerfung unter den allgemeinen Chauvinismus und die weit verbreitete Angst vor den Muslimen.

3) Darueber hinaus habe ich das Gefuehl, dass man durch Veroeffentlichungen von Distanzierungen die weitere Erstarkung von Verdaechtigungen provoziert, die damit eigentlich als falsch erwiesen und aus der Welt geschaffen werden sollten.

Was hat den Juden genutzt, dass sie ihre Loyalitaet dem "deutschen Volk" hartnaeckig bekundeten, im Ersten Weltkrieg kaempften und manche sich sogar im uebelsten Nationalismus uebten? Wer hat z. B. von Katholiken in der BRD gefordert, dass sie sich vom IRA-Terror distanzieren? Wer fordert heute von Juden in der BRD, dass sie sich vom Zionismus des Sharon-Typs distanzieren? Usw.

Kurzum, ich persoenlich wuerde auf Ausdruecke solcher Erwartungen mit deutlichen Expressionen analoger Gegenerwartungen antworten. Fuer die DML wuerde es wohl ausreichen, auf die Charta zu verweisen.

Salaam & Shalom,
Mojmir Krizan

Mojmir Krizan ist Mitglied der DML Bonn e.V.



Deutsche Muslim-Liga Bonn e.V. - 1425 / 2004